Überstunden im Arbeitsrecht - Rat vom Fachanwalt für Arbeitsrecht in Euskirchen | Rechtsanwalt Gerrit Naber | Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht, Handelsrecht

Überstunden / Mehrarbeit

Überstunden sind in vielen Branchen an der Tagesordnung und für manchen Arbeitnehmer sind sie auch ein willkommener Zuverdienst. Für andere dagegen stellen ausufernde Überstunden eine echte Belastung für die Familie und die Lebensqualität dar.

Ob überhaupt eine Pflicht zur Leistung von angeordneten Überstunden besteht, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es kommt auf die jeweilige Regelung im Arbeitsvertrag oder auch in einem Tarifvertrag an.

Sieht der Arbeitsvertrag etwa eine Arbeitszeit von 38 Stunden pro Woche vor und besteht keine weitere Regelung, dann kann der Arbeitnehmer grundsätzlich nach 38 Stunden nach Hause gehen. Er schuldet keine Überstunden.

Eine Ausnahme kann sich ergeben, wenn im Betrieb ein Notfall eingetreten ist und eine Verweigerung der Überstunden den Betrieb unverhältnismäßig schädigen würde. Etwa bei einem Wasserrohrbruch im Betrieb.

Viele Arbeits- und Tarifverträge regeln die Arbeitszeit allerdings sehr flexibel und räumen dem Arbeitgeber viel Spielraum bei der Bestimmung der Arbeitszeit ein. Deswegen ist oft auch nicht ganz leicht feststellbar, ob Überstunden noch geschuldet sind oder nicht.

Aus diesem Grunde können Fachanwälte für Arbeitsrecht auch nur davor warnen, ohne eine genaue Überprüfung der Rechtslage Überstunden zu verweigern. Ein Streit um Überstunden lässt sich nämlich viel entspannter führen, als ein Streit um eine fristlose Kündigung wegen Arbeitsverweigerung.

Fast immer, wenn Überstunden durch Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung geregelt sind, werden sie für den Arbeitnehmer durch einen Zuschlag versüßt. Einen gesetzlichen Anspruch auf einen Zuschlag gibt es jedoch nicht mehr. Es muss also nicht immer ein Überstundenzuschlag gezahlt werden und es kann sogar vereinbart werden, dass mit einem festen Monatsgehalt eine bestimmte Menge an Überstunden abgegolten ist, wenn dieses Gehalt angemessen hoch ist.

Große Probleme machen Überstunden für Arbeitnehmer häufig am Ende eines Arbeitsverhältnisses, besonders wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich nicht ganz friedlich trennen. Häufig stehen dann noch zahlreiche Überstunden offen, die bislang weder bezahlt, noch „abgebummelt“ wurden.

In solchen Prozessen hat der Arbeitnehmer einen schweren Stand. Er muss den vollen Beweis dafür liefern, dass an einem bestimmten Tag in der Zeit von … bis … Überstunden geleistet wurden und dass genau diese Überstunden vom Arbeitgeber angeordnet oder zumindest geduldet wurden.

Nach längerer Zeit kann sich aber meist nicht einmal der betroffene Arbeitnehmer genau daran erinnern, welche Überstunde wann und warum gearbeitet wurde. Erst recht werden eventuelle Zeugen hier Erinnerungslücken haben.

Ansprüche auf Überstundenvergütung lassen sich am einfachsten durchsetzen, wenn jede Überstunde schriftlich festgehalten und vom Arbeitgeber bestätigt wird. Außerdem müssen diese Nachweise natürlich dem Arbeitnehmer zur Verfügung stehen, denn im Personalbüro nützen sie ihm wenig.

Wer seine Überstundenvergütung gerichtlich durchsetzen will, muss darum auf eine lückenlose Dokumentation der einzelnen Überstunden achten.

Gerrit Naber · Rechtsanwalt – Fachanwalt für Arbeitsrecht
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