Das Arbeitszeugnis, Rechtsanwalt Gerrit Naber - Fachanwalt für Arbeitsrecht in Euskirchen und für die ganze Eifel, Blankenheim, Nettersheim, Bad Münstereifel und Mechernich | Rechtsanwalt Gerrit Naber | Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht, Handelsrecht

Zeugnis

Das Arbeitszeugnis gibt meistens dann Anlass zu Auseinandersetzungen, wenn ein Arbeitsverhältnis im Streit endet.

Oft ist der Arbeitgeber subjektiv tatsächlich mit den Leistungen des Mitarbeiters unzufrieden, manchmal ist ein schlechtes Zeugnis aber auch ein Druckmittel für einen späteren oder laufenden Kündigungsschutzprozess. Manchmal sind Arbeitnehmer bereit, für ein gutes Arbeitszeugnis eine geringere Abfindung hinzunehmen.

Der notwendige Zeugnisinhalt ist im Gesetz nur sehr dürftig geregelt. Das Zeugnis muss Angaben zur Art und Dauer der Tätigkeit enthalten und sich auf Verlangen des Arbeitnehmers auf Leistung und Verhalten erstrecken.

Diese karge Vorgabe ist durch die juristische Praxis etwas verfeinert worden. So muss der Tätigkeitsbereich des Arbeitnehmers im Zeugnis zutreffend wiedergegeben werden und das Zeugnis muss insgesamt wahrheitsgemäß und wohlwollend sein – man merkt: Auch diese Vorgaben lassen einigen Spielraum bei dem Zeugnisinhalt.

Zeugnissprache

Entgegen einer verbreiteten Ansicht gibt es keine bis in die kleinste Formulierung ausgefeilte Geheimsprache für Arbeitszeugnisse.

Es gibt natürlich einige Standardformulierungen im Zeugnis für bestimmte Verhaltensweisen, etwa den „geselligen Mitarbeiter“ = Trinker. Diese Formulierungen sind aber mittlerweile so bekannt, dass von einer Geheimsprache nicht mehr gesprochen werden kann.

Recht feste Standards gibt es hingegen für die Gesamtbewertung der Leistungen eines Arbeitnehmers im Arbeitszeugnis und zwar folgende:

  1. „Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ = sehr gut
  2. „Stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ = gut
  3. „Zu unserer vollen Zufriedenheit“ = durchschnittlich
  4. „Zu unserer Zufriedenheit“ = noch ausreichend
  5. „Im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit“ = mangelhaft
  6. „Hat sich bemüht ….“ = völlig unzureichend

Was die sehr gute Beurteilung angeht, so hört man als Anwalt vom Gegner oft den etwas naseweisen Einwand, dass „vollste Zufriedenheit“ ja grammatisch völlig falsch sei und schon deswegen kein Anspruch auf diese Beurteilung bestehen könne. „Voller als voll kann es gar nicht geben“. Das ist aber falsch und dieser kleingeistige Einwand perlt an dem erfahrenen Arbeitsrechtler ab wie Öl. Es geht zwar grammatisch nicht voller als voll, aber in der Zeugnissprache geht das seit Jahrzehnten. So ein Arbeitszeugnis ist ja irgendwie auch ein Stück Literatur und die Literatur hat sich noch nie nach den schnöden Beschränkungen der Realität oder der Grammatik gerichtet.

Rechtsschutz bei fehlerhaftem Arbeitszeugnis

Obwohl nach aktuellen Studien etwa 86 % aller Arbeitszeugnisse eine gute bis sehr gute Leistungsbeurteilung enthalten, ist das Bundesarbeitsgericht weiterhin der Ansicht, dass ein Arbeitnehmer mit einer durchschnittlichen Leistung Anspruch auf eine „befriedigende“ Zeugnisnote hat. Wer eine bessere Note einklagen will, der muss beweisen, dass er überdurchschnittliche Leistungen erbracht hat und ein echter Leistungsträger war. Leicht gesagt, schwer zu schaffen. Die meisten scheitern schon daran, die Durchschnittsleistung in ihrem Beruf zu definieren – worin genau unterscheidet sich denn eine sehr gute Dachdeckerin von einer guten oder ein guter Frisör von einem befriedigenden?

Es ist relativ einfach, vor dem Arbeitsgericht aus einem schlechten Zeugnis ein befriedigendes zu machen, aber es ist schwer, aus einem befriedigenden Zeugnis ein gutes zu machen. Entschärft wird das Problem aber dadurch, dass die meisten Zeugnisstreitigkeiten vor dem Arbeitsgericht mit einer Einigung enden, mit der beide Seiten leben können.

Zwischenzeugnis

Wesentlich leichter hat es der Arbeitnehmer, der noch im intakten Arbeitsverhältnis hin und wieder um ein Zwischenzeugnis bittet. Ein solches Zwischenzeugnis im unbelasteten Arbeitsverhältnis enthält in aller Regel eine wohlwollend-realistische Bewertung und man kann noch in entspannter Atmosphäre Änderungswünsche diskutieren.

Entsteht später Streit über den Inhalt des Endzeugnisses, können die tatsächlichen Leistungen mit dem Zwischenzeugnis belegt werden. Vom Inhalt eines – nicht zu alten – Zwischenzeugnisses kann der Arbeitgeber im endgültigen Zeugnis nicht nach unten abweichen.

Auch das Bundesarbeitsgericht musste sich natürlich schon häufig mit Arbeitszeugnissen beschäftigen und ist dabei unter anderem zu den Ergebnissen gekommen, dass sich der Arbeitnehmer das Zeugnis selbst abholen muss und dass der Arbeitgeber keinen Dank für die Mitarbeit schuldet. Solche Prozesse durch mehrere Instanzen sollte man tunlichst vermeiden. Sie dauern so lange, dass sich am Ende ohnehin niemand mehr für das erstrittene Zeugnis interessiert.

Gerrit Naber · Rechtsanwalt – Fachanwalt für Arbeitsrecht
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